Die rote Vogelmilbe, Dermanyssus gallinae, gehört zu den häufigsten und auch wirtschaftlich bedeutendsten Ektoparasiten in Geflügelbeständen, vor allem bei den Legehennen. Meist bleiben sie am Tag unentdeckt, da sie sich in den Ritzen und dunklen Ecken des Stelles verstecken.
Nachts kommen sie aus ihren Verstecken und saugen Blut von ihrem Wirt.
Sie gehören zur Klasse der Spinnentiere. Erwachsene Milben haben acht Beine und eine weiß-gräuliche Farbe. Nach der Blutmahlzeit erscheinen sie dann leuchtend rot-was ihnen den Namen verlieh.
Die Weibchen legen ihre Eier nicht auf dem Wirt ab, sondern in den Ritzen und Hohlräumen des Stalles. Aus den Eier entwickeln sich die sechsbeinigen Larven. Aus ihnen anschließend achtbeinige Nymphen und nach zwei Häutungen, schließlich die adulte Milbe. Alle Entwicklungsstadien sind blutsaugend. Auch ohne Blutmahlzeit bleiben die Parasiten mehrere Wochen bis Monate überlebensfähig. Die optimale Temperatur für ihre Entwicklung beträgt 18-30° C. Sie überleben aber auch niedrigere Temperaturen bis -10°C, wobei sie dann nicht mehr fortpflanzungsfähig sind.
Da die rote Vogelmilbe nicht sehr wirtsspezifisch ist befällt sie neben Hühnern und Tauben auch Ziergeflügel, Wildvögel und in einigen Fällen auch den Menschen.
Ein Befall zeigt sich durch häufiges Kratzen, da die Bissstellen sich entzünden. Man findet die Bissstellen häufig an den federlosen Stellen unter dem Flügel oder an den Beinen. Die betroffenen Tiere werden bei starkem Befall blasser (anämisch), apathisch und die Legeleistung geht zurück.
Meist werden die Vögel unruhig oder wollen abends nicht mehr in den Stall zurückkehren. Bei Jungtieren und geschwächten Tieren kann der Befall auch tödlich enden. Häufig sind auch brütende Tiere betroffen, da diese über Tage oder Wochen ihr Nest nicht mehr verlassen.
Beim Menschen können sie juckende Hautausschläge hervorrufen.
Die Bekämpfung der roten Vogelmilbe ist in großen Ställen oft schwierig, da man nie alle Rückzugsorte beseitigen kann. In kleiner Beständen müssen alle Sitzstangen und Nistplätze untersucht und bei Befall ersetzt werden.
Eine ökologische und gleichzeitig günstige Methode der Bekämpfung ist die Bestäubung mit Silikatstaub (Kieselgur). Dieser wird großzügig in allen Ecken und Ritzen des Stalles verteilt. Er setzt sich auf den Milben fest und führt zu deren Austrocknung. Daneben sind noch chemische Biozide zugelassen, wie Ivermectin oder Spinosad (Elector®). Bei Hühnern darf der Wirkstoff Fluralaner seit 2017 auch über das Trinkwasser verabreicht werden.
Bei lebensmittelliefernden Tieren, wie Hühnern oder Puten ist dabei die Einhaltung der Wartezeit auf Eier und Fleisch zu beachten. Alternativ können auch Stall und Sitzstangen abgeflammt werden. Temperaturen über 60°C töten die Milben zuverlässig ab.